Archiv

Die Nürtingen-Grundschule (NGS) am Mariannenplatz in Berlin Kreuzberg beherbergt unerschlossene Archivmaterialien, die bis zum Zeitpunkt der Gründung des Schulstandortes in den 1890er Jahren zurückreichen. Bald ergab sich, dass das Material aus rassismuskritischer Perspektive auf die Geschichte der NGS, aber auch darüber hinaus auf Leerstellen in der Migrationsgeschichte des Bezirks hinweist. Also wurden aus dem Konvolut Quellen erschlossen, die für eine rassismuskritische Aufarbeitung dieser Geschichte herangezogen werden konnten: Konferenzprotokolle, Chroniken, Schulzeugnisse und Unterrichtspläne ab den 1960er Jahren – viel ist in ihnen die Rede von den „ausländischen“ Schüler_innen. Zeugnisse einer dominanten deutschen Mehrheitsgesellschaft, die sich seitenweise wie in einer Obsession an diesen aufhängt und sich damals wie heute über die „Anderen“ definieren und besser fühlen wollte.

Die ersten Ergebnisse aus dieser Sichtung werden auf der Ausstellung am 15. Februar 2019 vorgestellt.

Im Rahmen unserer Ausstellung sprechen wir jedoch nicht nur über diese unerhörten Geschichten. In den vergangenen Monate haben Schüler_innen  der NGS und Heinrich-Zille-Grundschule in Kooperation mit Kulturschaffenden die Stimmen von Zeitzeug_innen eingefangen, die bereit waren, ihre Geschichte und rassismuskritische Sicht zur Aufarbeitung der Schul- und Bezirksgeschichte zu teilen. Diese Kollaboration mit Zeitzeug_innen, die Erinnerungen an den Schulstandort am Mariannenplatz haben, wünschen wir uns weiterhin für das Archiv und zukünftige Ausstellungen. Mit ihnen wollen wir Leerstellen in der Schul- und Bezirksgeschichte füllen, die lange genug geschwiegen haben.

 

Weitere Infos:
Zur (Migrations-)Geschichte der Schule